FINGERGELENKSARTHROSE
Fingergelenkarthrose

Statt Fingergelenksarthrose ist auch der Ausdruck Fingergelenkarthrose gebräuchlich.

Auch bei der Fingergelenkarthrose kommt es wie bei anderen Arthrosen zu einer Rückbildung der schützenden Knorpelschicht. Da bei einer Fingergelenksarthrose häufig gleich mehrere Fi nger betroffen sind, wird manchmal auch die Bezeichnung „Fingerpolyar throse“ verwendet. 

Eine Fingergelenksarthrose kann sehr unangenehm und schmerzhaft sein und erreicht im Laufe der Zeit ein chronisches Stadium.

Eine Fingergelenkarthrose kann zwei Gelenke betreffen:

  1. Fingermittelgelen k (Bou chardarthrose) und

  2. Fingerendgelen k (He berdenarthrose)

Symptome (= Krankheitszeichen)

Anders als bei anderen Arthroseformen erkranken bei der Fingergelenksarthrose immer mehrere Gelen ke an beiden Hän den gleichzeitig. Der Befall ist oft symmetrisch. Frauen sind von der Fingergelenksarthrose wesentlich häufiger betroffen als Männer, gehäuft tritt bei Frauen die Fingergelenksarthrose in Verbindung mit einer Knie- oder Wirbelgelen ksarthrose auf.

Die Fingergelenksarthrose ist zunächst eine Erkrankung des Gelen kknorpels, im weiteren Verlauf kommt es dann zu einer Umbildung des knorpelnahen Knochens. Diese Umbildung geht dann einher mit Schmerz en, Steifheit der Fingergelen ke, Schwellungen, Bewegungseinschränkung und Deformierung der Gelen ke. Zunächst besteht nur ein Bewegungsschmerz und später treten Ruheschmerzen hinzu. Bei der Fingergelenksarthrose können zudem zusätzlich schubförmige Gelenkentzündungen auftreten. Das Gelen k schmerzt dann verstärkt, schwillt an und wird warm. Diese Gelen kentzündungen gehören zur Arthrose und bedeuten nicht, dass es sich etwa um eine rheumatoide Arthritis handelt. Im Zusammenhang mit der Fingergelenksarthrose berichten viele Patienten auch von einer erhöhten Kälteempfindlichkeit der Fi nger.

Die Arth rose der Fingerendgelen ke („He berdenarthrose“) ist häufiger als die der Fingermittelgelen ke („Bou chardarthrose“). Bei der Bou chardarthrose sind die Fingermittelgelen ke spindelförmig aufgetrieben und häufig druck- und bewegungsschmerzhaft. Die Fingergelenksarthrose in den Fingerendgelen ken ist durch langsam einsetzende, reizlose, harte Knötchen, Zysten und instabile Gelen ke charakterisiert. Hinzu kommen bei der Fingergelenksarthrose in diesem Bereich zwei knötchenartige Vorwölbungen, die man nach dem Entdecker dieser Krankheit auch He berden-Knötchen nennt.

Ursachen

In allen Knochengelen ken sind die Verbindungsflächen von einem schützenden Knorpel überzogen. Bei einer Arth rose (auch Fingergelenksarthrose) wird diese Knorpelschicht aus den unterschiedlichsten Gründen zerstört. Die Fingergelenksarthrose stellt also eine typische Verschleißerscheinung der Fingergelen ke dar, ist also eine degenerative Erkrankung.

Mögliche Ursachen für eine Fingergelenksarthrose:

Eine Fingergelenkarthrose läßt sich in der Regel eindeutig durch eine Röntgenaufnahme feststellen.

Differentialdiagnostisch (= was außer Fingergelenksarthrose sonst noch an Krankheiten in Frage kommen könnten) muß bei Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Fingergelen ke auch an die verschiedenen Arthritisformen gedacht werden:

Medikamentöse Schmerztherapie bei Fingergelenksarthrose:
Akut und subakut können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.  
Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar. 
Grundsätzlich sollte aber auch bei einer
Fingergelenkarthrose eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei einer schmerzhaften Fingergelenksarthrose wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie bei Fingergelenksarthrose:

Sehr bewährt hat sich die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis (= Armnervengeflecht). Da der Pl exus brachial is reich an vegetativen (= das unwillkürliche Nervensystem betreffenden) Nervenfasern ist, tritt neben der nozizeptiven (= die Schmerzreizleitung betreffenden) Hemmung auch eine ausreichende sympathikolytische (= gefäßerweiternde) Wirkung ein.
Bei herabgesetzter Lokalanästhetika-Konzentration (z.B. 10 bis 15 ml Bupivacain, 0,1 bis 0,15%) bleibt die Motorik (= Muskelkraft) erhalten, so daß begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind. 
Die Methode kann zeitgleich auch beiderseits durchgeführt werden, aus Sicherheitsgründen sollte bei repetitiver Applikation (= wiederholter Einzelverabreichung) diese alternierend (= im Wechsel) erfolgen.
Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Blockade (=Betäubung) des Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) in gehäufter Abfolge, optimal in kontinuierlicher Form mit Katheter*

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung, auf entzündliche (z.B. Arth ritis) oder auch degenerative (z.B. Fingergelenksarthrose) Prozesse zurückzuführen sind, sehr hilfreich ist, denn eine gute Durchblutung wirkt entzündlichen und degenerativen Schmerzursachen kausal (= ursächlich) entgegen.

Physikalische Schmerzbehandlung bei Fingergelenksarthrose:
Auch eine Elektrostimulation kann bei
Fingergelenksarthrose eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem betroffenen Gelen k aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit Ar
throse empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Handbäder können ebenfalls chronische Schmerzen lindern. 
Auch die Magnetfeldtherapie ist bei
Fingergelenksarthrose eine gute Indikation (=Anzeige).

Andere Maßnahmen zur Schmerztherapie bei Fingergelenksarthrose
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben. 
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Bei chronischen arthrose bedingten Schmerz ist auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

Wenn eine schmerzhafte Fingergelenksarthrose längerfristig besteht, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

 
 

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